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Mai 2004
Zur Mitte
finden
Fröhliche
Vogelstimmen, der entfernte Hufschlag eines Pferdes dringen
durch das Fenster. Aber, obwohl wahrgenommen, vertiefen diese
Geräusche nur die Ruhe, die den Raum erfüllt. Um die
Lichterschale als Zentrum bilden 12 Meditierende einen Kreis, in
sich versunken, jedoch ganz entspannt und kerzengerade sitzend,
als hielte ein Seidenfaden, vom Himmel kommend, ihren Scheitel.
Mit dem Schlag gegen die Klagschale ruft uns der Meister in die
Wirklichkeit zurück. Wir verneigen und bedanken uns. Auf allen
Gesichtern liegt ein Lächeln. Der Tag hat gut begonnen – jetzt
gibt es erstmal Frühstück.
„Zur
Mitte finden“ heißt diese
Veranstaltung,
die von Pfr. Rolf Klein geleitet wird und im Haus Broich
stattfindet. Wir sind hierher gewandert, weil uns schon dieses
Gehen von unseren Alltagssorgen entfernt, uns entspannt und für
Neues aufgeschlossen ankommen lässt. Dieses Haus ist durch die
Schönheit seiner Architektur, den altehrwürdigen Park und die
friedvolle Atmosphäre geradezu prädestiniert für ein Programm,
das der inneren Ordnungssuche dienen soll. Von Freitag bis
Sonntag Mittag wechseln Körperarbeit, Unterweisung (Teisho),
Meditation und Gehen im Stillen (Kinhin) einander ab. Da uns das
Wetter hold ist, kann Körperarbeit auch darin bestehen, sich auf
einer Kleewiese als Baum zu fühlen, die Bodenhaftung zu spüren
und daraus die Gewissheit zu ziehen, dass man stark genug ist,
einem Sturm zu trotzen.
Die Weisheit des Lebens und der Humor müssen
eng verwandt sein. Pfr. Klein macht sich das zunutze, indem er
in den Unterweisungen und zu Beginn der Übungen auf Texte
zurückgreift, die man nicht ohne zu schmunzeln hören kann. Und
die nach und nach in den Gedanken und Gesprächen ihre Wirkung
entfalten - oder neue Fragen aufwerfen. Gott suchen heißt, die
richtigen Fragen zu stellen.
Trotz eines umfassenden Pensums bleibt genug
Zeit für die gemeinsamen Mahlzeiten, für Pausen, in denen man
sich zurückziehen kann und für gesellige Runden, um bei einem
Gläschen Wein den Tag ausklingen zu lassen. Natürlich ist man
kein „anderer“ Mensch nach einem solchen Wochenende. Aber man
hat gelernt, wie man zu sich, zu seiner Mitte finden und sich so
für einige Zeit dem Alltagsstress entziehen kann. So zeigen sich
alle Teilnehmer dankbar für diese Erfahrung und sind sich einig,
dass sie im nächsten Jahr wieder dabei sein werden, wenn
Pfr. Klein mahnt: „Zur
Mitte finden!“
Ulrich Todtenhaupt
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