Wenn
ich aus meinem Arbeitszimmer in den Garten des Pfarrhauses schaue, sehe
ich im Garten den Nussbaum, der vor 15 Jahren gepflanzt worden ist.
Mittlerweile ragt er in die Höhe mit für sein Alter mächtiger Krone.
Seine Wurzeln haben sich fest in den Boden gegraben, so dass ihm kein
Sturm der letzten Jahre etwas anhaben konnte.
Wenn ich aus der Haustür des Pfarrhauses trete, denke ich manchmal an
den großen Baum, der auf der Ecke des Grundstücks stand. Bei einem
Sturm vor einigen Jahren fiel er um. Seine Wurzeln waren nicht stark
genug, ihn zu halten.
Bäume sind für viele Menschen etwas Faszinierendes. In ihrer Nähe
fühlen sie sich wohl und geborgen. Manche vergleichen das menschliche
Leben sogar mit dem des Baumes. Wie die Bäume wollen wir Menschen
irgendwo Wurzeln schlagen. Wie die Bäume die Jahresringe bilden, haben
wir Menschen ein Gedächtnis, das uns an gute und schlechte Zeiten
erinnert. Wie die Bäume ziehen wir Menschen die Kraft aus dem
Fundament, das uns im Leben trägt. Wie die Bäume dem Licht entgegen
wachsen, so sehnen wir uns nach Wärme und Liebe im Leben.
Paulus schreibt den Christinnen und Christen in Kolossä, dass sie in
Jesus Christus verwurzelt sind. Er freut sich darüber, wie sie den
christlichen Glauben angenommen haben und darauf gegründet leben. Aber
der Apostel macht sich auch Sorgen. Denn die junge Gemeinde lebt in
einem Umfeld, das anderen religiösen Vorstellungen folgt. Wie schnell
kann eine Lebenskrise oder der Druck der Menge zu einem Abfall vom
christlichen Glauben führen! Darum mahnt Paulus, Christus als Herrn
weiter zu folgen.
Auch wir Christinnen und Christen heute sind mit unserem Glauben den
Stürmen des Lebens ausgesetzt. Ob Lebenskrisen, Krankheiten oder der
Verlust eines lieben Menschen, vieles kann zur Erschütterung unseres
Glaubens führen. Paulus gibt in unserem Monatsspruch einen Hinweis, wie
wir uns wieder fester im Glauben verwurzeln können: Wir sollen nicht
aufhören zu danken. Denn wer Gott für das Empfangene im Leben dankt,
der ist sich immer wieder aufs Neue bewusst, dass unser Leben ein
Geschenk Gottes ist. Wer hingegen im Leben alles nur auf sich selbst
zurückführt, verliert dieses Bewusstsein. Aus der Dankbarkeit aber
wächst das Vertrauen, dass Gott es auch in Zukunft gut mit uns meint.
So bilden sich immer stärkere Wurzeln des Glaubens.
Ihr Pfr. Joachim Schuler