Willicher MusikProjekt

Willicher MusikProjekt 2018
„Josua“ von Georg Friedrich Händel

 

Einladung zum Mitsingen im großen Projektchor des Willicher MusikProjektes. Proben in der Regel zwei Mal pro Monat mit Ausnahme der Schulferien.

Aufführung am 16. November  in der Pfarrkirche St. Johannes in Willich-Anrath und am 18. November in der Friedenskirche Krefeld zusammen mit den Solisten und der Camerata Louis Spohr Düsseldorf.

 

 

Probenbeginn:

Montag, 15. Januar, 19.30 Uhr Männerstimmen im Ev. Gemeindezentrum Willich (Krusestraße 20)

Donnerstag, 18. Januar, 19.30 Frauenstimmen in der Hoffnungskirche Willich-Schiefbahn (Wallgraben)

Samstag, 20. Januar, 15 Uhr Gesamtprobe in der Hoffnungskirche Willich-Schiefbahn (Wallgraben)

 

Notenausgabe Peters EP 11238 auch als Sammelbestellung möglich.

Kontakt: kp.pfeifer@emmaus-willich.de

 

 

"Josua" - ein barockes Heldenepos

Zu den spektakulärsten Helden des Alten Testaments zählt Josua (englisch: Joshua), Moses Nachfolger, der mit den berühmten Posaunen von Jericho die Mauern dieser Stadt zum Einsturz bringt. Unter seiner Führung erobert das Heer der Israeliten das gelobte Land Kanaan. Diese biblische Geschichte bildet die Rahmenhandlung zu Händels 1748 uraufgeführtem Oratorium "Joshua", vom mutmaßlichen Librettisten Thomas Morell noch um eine Liebesgeschichte zwischen dem jungen Hauptmann Othniel und Achsah, der Tochter eines Ältesten, ergänzt.

So konnte Händel die gesamte Bandbreite seiner musikalischen Expressivität einbringen: die Pracht von Pauken und Trompetenklängen, Freuden- und Jubelchöre, virtuose Arien, anrührende Liebesduette und das berühmt gewordene  "Tochter Zion".

Die tragende Rolle in "Joshua" kommt dem Chor zu, der das Volk Israel verkörpert.

 

Barfuß vor Gott

In den Geschichten der Bibel stehen die Füße für Macht. Wer etwas erreicht, bringt die Sache unter die Füße und tritt fest auf. Wenn ein Sieg errungen ist, dann werden Land und Leute unter die Füße geworfen. Aber es gibt auch die widerständigen Erinnerungen und auch sie werden aufbewahrt. Wie einer auf seinen Anspruch auf Land verzichtet, ist im Buch Rut nachzulesen. Er zieht eine Sandale aus! Wer trauert, geht barfuß, berichtet der Prophet Micha. 

Barfuß auf Macht verzichten? Nackte Füße als Zeichen der Trauer? Josua will einen Krieg führen. Er muss eine Armee zusammenstellen. Die alten Krieger sind auf der langen Wüstenwanderung gestorben. Die große mächtige Stadt Jericho soll erobert werden. Junge Soldaten müssen rekrutiert werden. So weit der Plan. Josua will ein großer Feldherr sein und sich als guter Nachfolger von Mose beweisen. Es hängt viel an den Kriegsplänen. 

Da kommt es zu einer seltsamen Begegnung. Beim feldherrlichen Blick auf die Stadt stellt sich ihm ein Mann in den Weg. „Zieh deine Schuhe aus, denn du stehst auf heiligem Land!“, ruft ihm der Oberste des göttlichen Heeres zu. 

Josua will einen Krieg führen und soll die Schuhe ausziehen? Barfuß vor den Feinden? Ist Jericho heiliges Land? Es ist doch noch Feindesland! Es muss erobert werden! Kann Gott das Land der Feinde heilig nennen? 

Oft wird die Geschichte als Legitimation zum Heiligen Krieg gelesen. Der Herr der Heere übergibt ein Schwert ­an Josua. Der darf losschlagen und Jericho vernichten. Aber stimmt das? „Zieh deine Schuhe aus!“ Ein schwer bewaffneter Barfüßiger? Gibt es Krieg ohne Schuhe?

Ich sehe Kindersoldaten in abgerissenen Kleidern. Tragen sie Schuhe? Sie schleppen schwer an ihren Waffen. Kriegssklaven mit toten Augen. Ich sehe ihre Füße. So nackt und so abgetreten. Viel zu früh zertreten. „Jeder Soldatenstiefel, trampelnd mit Gedröhn, und der Mantel, gewälzt in Blut, soll verbrannt werden, wird ein Fraß des Feuers“, verheißt die große Friedensvision des Propheten Jesaja (Kapitel 9). Krieg führt man in Stiefeln.

Josuas Geschichte erzählt von einer Entwaffnung. Es ist eine Abrüstungsgeschichte. „Zieh deine Schuhe aus!“ Geh, und spür die Erde. Lass dich vom Leben tragen, es trägt dich hinaus ins Weite. „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“, heißt es in Psalm 31. Gottes weiter Lebensraum ist Israel verheißen. Die Kriegstreiber ruhen nicht und stiften immer wieder zur Gewalt an. Aber das Lied von der Gewaltlosigkeit verstummt ebenfalls nicht und singt unbeirrt von der Abrüstung der nackten Füße und der Ehre des heiligen Landes mitten im vermeintlichen Feindesland.

Statt mit Waffengewalt wird das Volk sechs Tage lang um Jericho herumziehen, und nur vom Klang der Schofarhörner werden die Mauern der Stadt einfallen. Ein einziges Gehen und Schofarblasen – sechs Tage lang. Das kann man auch barfuß. Im Herbst 1989 wurden die Runden um den Leipziger Ring zu einer Wiederholung dieses Mythos. „Keine Gewalt!“, wurde geflüstert und gesagt, gesungen und betont. Immer im Kreis. Bis die Mauer fiel.

Es war in jenem Herbst zu kalt für nackte Füße. Aber das Lied von der Gewaltlosigkeit war über die Jahrtausende nicht verstummt. Es hatte unsere Herzen erreicht und verändert. Und die unserer Gegner auch, so dass auch die bewaffneten Organe nicht zu den Waffen griffen. Gott sei Dank. Am Scheideweg zwischen Gewalt und Gewaltlosigkeit stehen wir immer wieder. Immer wieder reizt das Schwert in der Hand des Herrn der Heere. „Zieh deine Schuhe aus!“ – entwaffne dich. „Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege.“ (Psalm 139)

Christiane Thiel aus „Chrismon“