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Okt. 2004

Reformationstag 2004

RP: Herr Pfarrer Klein, am 31. Oktober feiern evangelische Christen das Reformationsfest. Sie erinnern damit an Martin Luther und die Reformation. Was ist der Kern von Luthers Lehre?

Pfr. Klein: Die Frage, die den jungen Mönch umtrieb, war: „Wie finde ich einen gnädigen Gott?“ Er erlebte sich selbst als Mensch, der ständig hinter dem zurückblieb, was er eigentlich hätte sein und tun können. Trotz großer und ernsthafter Bemühungen litt er sehr unter seiner Unvollkommenheit und Schuld. Demgegenüber stand Gott als der absolut gerechte, gute und gnädige Vater. Diesem Gott gerecht zu werden, erschien ihm unmöglich. Erst als er im Römerbrief entdeckte, dass der Mensch sich nicht selbst vor Gott gerecht und gut machen muss, sondern von Gott gerecht gesprochen wird, bedeutete das den Durchbruch.

RP: Dieser Durchbruch brachte ihm dann aber den Konflikt mit der römisch-katholischen Kirche.

Pfr. Klein: Genau. Luther erfuhr als Seelsorger seiner Gemeinde, dass die Menschen glaubten, sich durch fromme Werke Gottes Gnade „verdienen“ zu können. Dem hat er in Predigt und Vortrag heftig widersprochen. Mit 95 Diskussionsthesen, die er am 31. Oktober 1517 an das Tor der Schlosskirche zu Wittenberg heftete, wollte er zum Gespräch einladen.

RP: Dieser Diskussionsprozess hat dann schließlich zur Spaltung der Kirche geführt.

Pfr. Klein: Luther wollte die Kirche nicht spalten, sondern reformieren. Dabei hat ihn ein dreifaches „solus“(lat. = allein) geleitet. Für ihn galt: solus Christus( allein Christus), sola scriptura (allein die Bibel), sola gratia ( allein aus Gnade).
Im Einzelnen bedeutet das: Nur durch Leben, Leiden und Tod Jesu wird der Mensch von Gott gerecht, nicht durch Vermittlung der Heiligen oder der Kirche.
Nur aus der Bibel erfahren die Menschen alles zum Glauben Notwendige. Die Bibel ist die höchste und einzige Autorität der sich der Reformator verpflichtet wusste. Demgegenüber betonte die katholische Theologie als zweite Quelle und Richtschnur der Glaubenslehre die Überlieferung der Kirche, die Tradition.
Schließlich war Luther davon überzeugt, dass der Mensch ohne eigene Leistung, ohne Verdienst oder
fromme Werke von Gott angenommen und geliebt wird, allein aus Gnade.

RP: Und worin liegt heute die Bedeutung des Reformationsfestes?

Pfr. Klein: Ganz bestimmt nicht mehr in der Abgrenzung von der katholischen Kirche. Schon seit vielen Jahren gibt es ein Diskussionspapier von beiden Kirchen, das die Unterschiede der Rechtfertigungslehre für nicht mehr kirchentrennend erklärt.
Die Bedeutung des Reformationstages heute sehe ich vor allem darin, dass er uns Gelegenheit gibt, in einer von Leistungs- und Erfolgsdenken bestimmten Zeit und Welt in Erinnerung zu rufen, dass es im Glauben keine Leistung geben kann.
Wie auch immer und was auch immer wir sind, Gott sieht uns als geliebte Partner an, die er ohne Vorleistung begleitet.

RP: Wie wird in der Ev. Emmaus-Kirchengemeinde der Reformationstag gefeiert?

Pfr. Klein: Da der 31 Oktober in diesem Jahr auf einen Sonntag fällt, feiern wir Gottesdienst mit Abendmahl in allen drei Kirchen. Auch in den Schulgottesdiensten führen wir die Schüler an das Thema heran. In den Vorjahren haben auch theologische Vorträge oder der Film „Luther“ zum Angebot der Gemeinde gezählt

(Interview Rheinische Post mit Pfarrer Rolf Klein zum 31.10.2004)