ANgeDACHT

Liebe Gemeinde,

ich gehe durch leere Räume. Meine Schritte hallen. Die Stimme schallt ungewohnt.

Die Möbel sind ausgeräumt, die Wände leer. Man kann sehen, wo Regale standen, Bilder hingen.

Die Räume sind einerseits vertraut und doch auch sehr fremd.

Ich muss Abschied nehmen, Abschied von dem Haus, in dem ich mit meiner Familie 28 Jahre gelebt habe. Wir ziehen aus. Für zwei Personen ist das Pfarrhaus nach dem Auszug des zweiten Sohnes viel zu groß und zum Ruhestand müsste ich es sowieso verlassen. So haben wir uns ein eigenes Haus gekauft, es eingerichtet, einen neuen Lebensabschnitt begonnen.

Doch jetzt muss ich mich verabschieden, loslassen, mich losreißen.

Viele Begegnungen haben hier stattgefunden, unzählige Gespräche, Familienfeste und auch zwei Einbrüche.

Abschied von einem Haus. Abschied von einem Teil meines Lebens. Ich denke über den Abschied nach. Ich habe ja die Erinnerung. Und ich kann ja jederzeit am Haus vorbeigehen, es wenigstens von außen ansehen.

Was aber, wenn der Abschied endgültig ist? Wenn nur die Erinnerungen bleiben? Wenn ein Mensch durch den Tod aus dem Leben gerissen wird, müssen die, die bleiben, Abschied nehmen.

Das ist unendlich viel schwerer als mein Abschied vom Haus.

In den kommenden Wochen begehen viele Menschen die „stillen Feiertage“, Allerheiligen, Allerseelen, Totensonntag, Volkstrauertag.

Sie denken an ihre verstorbenen Angehörigen und Freunde, gehen auf den Friedhof, erinnern sich, erleben den Abschied noch einmal.

„Nie mehr!“ ist die grausame Erkenntnis, die den Abschied von einem lieben Menschen bestimmt.

Endgültig ist der Abschied. Nichts kann mehr gesagt oder getan werden.

Das macht den Abschied so schmerzhaft und so schwer.

Hinzukommt die bange Frage nach dem, was für die Verstorbenen nun zu erwarten, nun zu hoffen ist.

Furchtbar und kaum zu denken ist die Vorstellung aus dem „Nie mehr!“ könnte durch den Tod ein „Nichts mehr!“ werden, es gäbe nach diesem Leben nur noch Dunkelheit und Nichts.

Jesus letztes Wort wie es Lukas überliefert läßt mich hoffen, gibt mir Trost und die Möglichkeit dem Nichts etwas Großes entgegenzusetzen.

Er sagt mit Worten aus Psalm 31: „In deine Hände befehle ich meinen Geist.“

Mir sagt Jesus mit diesem Wort, dass ich niemals aus Gottes Hand fallen kann, dass, was auch immer mich trifft, und sei es der Tod, ich gehalten, getragen und geborgen bin von Gott.

 

Es grüßt Sie ganz herzlich Ihr

 

Pfarrer Rolf Klein

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